EIN LEBEN OHNE FLUGZEUGE kann sich Alina Christmann nicht mehr vorstellen. (Foto: Guido Schiek)
Fast über Nacht ist Alina Christmann zur Segelfliegerin geworden. „Der Start ist das Tollste“, schwärmt die Siebzehnjährige. „Man wird in den Sitz gepresst und dann geht es gleich richtig steil nach oben.“ Eher zufällig hat sie Kontakte zum Flugsportclub Mümlingtal geknüpft und im Juli nach einer Party im Nachbarort mit anderen Jugendlichen am Flugplatz übernachtet. Am nächsten Tag saß sie das erste Mal im Flieger, 24 Stunden später war sie Mitglied im Verein.
Knapp 600 Euro kostet dieses Hobby für Auszubildende pro Jahr, dafür kann sie jedes Wochenende fliegen. Natürlich unter Aufsicht: Zurzeit kümmern sich vier Fluglehrer um 13 Schüler. Nach etwa zwei Jahren können sie die Prüfung für den Flugschein machen.
Alina hat die erste Hürde hierfür gerade genommen. Nach nur 64 Flugstunden ist ihr der erste Alleinflug geglückt. „Ich wollte das dieses Jahr unbedingt noch packen“, sagt sie. Dass es schon am 12. Oktober so weit sein würde, hatte sie allerdings nicht geglaubt.
Während ihr viele Übungen wie Starten, das nach unten trudelnde Flugzeug wieder ins Gleichgewicht bringen oder seitlich mit dem Flugzeug hin und her rollen schon leicht fielen, haperte es mit der Landung. „Das Abfangen ist das Schwierigste“, sagt Alina. Erst nach und nach bekommen Fliegerneulinge ein Gefühl für die richtige Steuerung der Bremsklappen, so dass eine sichere Landung möglich ist.
Dem Ziel, ohne Funkkontakt zum Fluglehrer am Boden fliegen zu dürfen und allein auch weitere Strecken zurückzulegen, ist Alina nun ein großes Stück näher. „Jetzt geht es erst richtig los“, sagt sie begeistert. Seit einem viertel Jahr verbringt sie jedes Wochenende auf dem Flugplatz. Direkt nach der Arbeit geht es freitags nach Vielbrunn. Alina genießt die Gemeinschaft im Verein. „Segelflieger sind ganz besondere Menschen“, sagt sie.
„Es ist Wahnsinn, wie viele Leute ich kennen gelernt habe.“ Dann wird gemeinsam gegrillt oder gekocht und beisammengesessen. Alina macht eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation in Breuberg, möchte sich aber auch darüber hinaus weiterbilden. Samstags geht sie deshalb zur Schule und holt ihr Fachabitur nach. Danach gibt es dann aber nur noch Segelfliegen. „Ein Wochenende ohne kann ich mir schon gar nicht mehr vorstellen.“
Natürlich kann nicht jeder wann er will einfach so in die Lüfte steigen. „Segelfliegen ist ein Teamsport“, betont Alina. „Auf einander Rücksicht zu nehmen ist selbstverständlich.“ Gemeinsam werden die Flugzeuge auf den Platz gerollt und vor jedem Start ein Rundum-Check gemacht. Über Stahlseile an einer Winde geht es etwa 300 Meter nach oben auch hierfür wird Hilfe benötigt. Dann kreiseln die Flieger im warmen Luftstrom immer höher, in Vielbrunn gewinnen sie pro Sekunde etwa zwei Meter an Höhe.
Das ist nichts gegen die Thermik in den südfranzösischen Alpen. Jedes Frühjahr fahren viele der Flieger gemeinsam nach Gap Tallard. Im kommenden März will auch Alina mit. Dort schrauben sie sich wesentlich schneller nach oben, „jeder Segelflieger war mal dort“, sagt die Siebzehnjährige voller Vorfreude. Aber vorher kommt der Winter und mit ihm Theorieunterricht, Renovierungsarbeiten, Reparaturen und das Warten auf den Frost.
Wenn die Startbahn nass ist, können die Flieger nicht starten, die Wiese muss vereist sein.
Im Flugzeug ist Alina ganz auf sich gestellt: „Wenn ich einmal oben bin, kann mir keiner mehr helfen.“ Angst hat sie trotzdem keine, aber Respekt. Der ist wichtig, um konzentriert alle Anzeigen im Cockpit zu verfolgen, die anderen Segelflieger im Auge zu behalten und sich nicht leichtsinnig zu weit vom Platz zu entfernen.
Ihre Mutter mache sich zwar trotzdem Sorgen, insgesamt unterstützen die Eltern aber das Hobby. „Sie finden es gut, dass ich etwas gefunden habe, was mir so viel Spaß macht und sind stolz, eine Segelfliegerin in der Familie zu haben.“
Kontakt zum Club
Wer selbst einmal in die Lüfte steigen möchte, kann beim Flugsportclub Mümlingtal als Gast mitfliegen. Infos gibt es hier
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